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Mit Felix Lühning auf Streifzug durch die Residenz

Spektakuläre Buch-Neuerscheinung hebt einen Archiv-Schatz ans Licht der Öffentlichkeit: Schloss Gottorf von 1709

Wie sah Schloss Gottorf zu Beginn des 18. Jahrhunderts tatsächlich aus? Wer nutzte die einzelnen Räume? Wo waren Pferde, Vorräte und Brennmaterial untergebracht? Eine außergewöhnliche historische Quelle erlaubt heute einen erstaunlich detaillierten Blick hinter die Kulissen der einstigen herzoglichen Residenz.

Unter der Archiv-Nummer Abt. 7/6826 verbirgt sich im Landesarchiv Schleswig-Holstein ein wahrer Schatz: ein 677 Seiten starkes „Inventarium“, auf das Dr. Felix Lühning bereits in den 1990er Jahren aufmerksam gemacht wurde. Die Handschrift beschreibt nicht nur jeden einzelnen Raum des Schlosses, sondern auch sämtliche Gebäude der Festungsanlage und außerhalb der Insel, die Brücken und Gartenanlagen, die 1708 zur Residenz der Gottorfer Herzöge gehörten.

Entstanden ist das Inventar aus ganz praktischem Anlass. Um den baulichen Gesamtzustand der Residenz zu erfassen, wurde 1708 der Bauinspektor Christian Albrecht Thomsen mit der Bestandsaufnahme beauftragt. Entscheidende Unterstützung erhielt er dabei vom „Baumeister und Controleur“ Hinrich Schwartz.

"Das Gottorfer Inventar von 1709“ liefert wertvolle Hinweise darauf, wie und von wem die einzelnen Räume in Schloss und Stallungen genutzt wurden, wie viele Pferde täglich versorgt werden mussten, wie viele Öfen im Winter zu heizen waren und wo die dafür benötigten großen Mengen an Brenntorf und Brennholz lagerten.

Gerade heute eröffnet das Inventar eine spannende Perspektive: Während seit Jahren an einem Masterplan für die Modernisierung der Landesmuseen gearbeitet wird, führt die historische Bestandsaufnahme zurück in eine Zeit, in der der Erhalt und Betrieb der weitläufigen Residenz ebenfalls eine enorme Aufgabe darstellte.

Wer tiefer in die Lektüre eintaucht, entdeckt ein Schloss Gottorf, das weit mehr war als eine repräsentative fürstliche Residenz. Nach Ansicht der Herausgeber Dr. Thorsten Sadowsky und Dr. Uta Kuhl erscheint Gottorf als aparte Mischung aus Versailles, Festung und Gutshof: mit prächtigen herrschaftlichen Sälen und profanen Wirtschaftsräumen, Stallungen und Soldatenbaracken, Wagenremisen, Hühnerschuppen und Taubenschlägen, großartigen Gärten, Werkstätten, Küchen und Rumpelkammern.

Das Inventar erzählt dabei keineswegs nur von höfischer Pracht. Torfrauch, Kloakengräben, eingesunkene Wälle, geflickte Dächer und zerbrochene Fenster gehören ebenso zum Bild. Sichtbar wird eine gewaltige Anlage, deren Bewohner und Bedienstete fortwährend gegen Witterung, Verschleiß und Verfall ankämpften.

So entsteht ein ungewöhnlich lebendiges Bild vom Alltag auf Schloss Gottorf zu Beginn des 18. Jahrhunderts – und eine faszinierende Ergänzung zu dem Schloss, das wir heute kennen.

Das Gottorfer Inventar von 1709
Felix Lühning
Hardcover, 349 Seiten
53 Schwarz-Weiß-Abbildungen, 130 Farbabbildungen
Michael Imhof Verlag
ISBN 978-3-7319-1533-1
Preis: 49,95 €

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