Stifterin Bettina Horn: „Unsere Bilder haben sich auf Schloss Gottorf immer sehr wohl gefühlt“
Zwei Jahre war die Sammlung Horn auf internationaler Ausstellungstournee, seit über drei Jahren sind die Meister des deutschen Expressionismus schon nicht mehr in Schleswig zu bewundern. Doch in diesem Sommer hat nach erfolgreicher Sanierung der Galerieräume und Neuordnung der Ausstellungen das Warten auf Jawlensky, Nolde, Kirchner, Kollwitz, Barlach und viele weitere Künstler*innen endlich ein Ende.
Die Wiedereröffnung der Galerie der Moderne am Abend des 2. Juli markiert zugleich einen wichtigen Meilenstein für die Zukunft der Sammlung Horn. Der Vorstand der Stiftung Rolf und Bettina Horn hat entschieden, die Verantwortung für die Sammlung Horn enger an die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf anzubinden. Mit diesem Schritt setzen Bettina Horn und der Stiftungsvorstand ein deutliches Zeichen in Hinblick auf den langfristigen Verbleib der bedeutenden, mehr als 500 Werke umfassenden Sammlung in öffentlicher Hand. Die Zuständigkeit für die Sammlung wird damit perspektivisch dauerhaft auf das Land Schleswig-Holstein übergehen.
Den Entschluss, den letzten Willen ihres im Mai 1995 verstorbenen Mannes Rolf Horn umzusetzen, machte die in Berlin lebende Kunstsammlerin erstmals am 4.Juni anlässlich des Besuchs von Ministerpräsident Daniel Günther auf der Museumsinsel in Schleswig öffentlich.
1988 ließ der 1912 in Kiel geborene Rolf Horn Teile seiner Expressionismus-Sammlung zum ersten Mal auf Schloss Gottorf ausstellen, 1995 erhielt die Sammlung Rolf und Bettina Horn in der Galerie der Klassischen Moderne ihren festen Platz. Der Sammler selbst hatte den aufwendigen Umbau der ehemaligen Stallgebäude durch den Berliner Architekten Jürg Steiner finanziert, war jedoch kurz vor der Eröffnung verstorben. Die besondere Liebe Rolf Horns galt dem Schaffen der drei großen norddeutschen Expressionisten Christian Rohlfs, Emil Nolde und Ernst Barlach. Darüber hinaus
sammelte er die Werke der Künstlergruppe Brücke mit ihrer neuen Sicht auf den Menschen und die Natur – Werke von Kirchner, Schmidt-Rottluff, Heckel, Pechstein, Mueller und auch die „Köpfe“ von Alexej von Jawlensky. Es ist das Menschenbild in dieser Kunst, das den Sammler inspirierte. Im Bereich der Skulptur sammelten Rolf und Bettina Horn zeitgenössische Werke: Die Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte wurde so um wichtige Positionen von Bernhard Heiliger, Jan Koblasa, Volkmar Haase und Hans Uhlmann ergänzt.
Unter ihrer alleinigen Leitung erweiterte Bettina Horn die Sammlung um zahlreiche wichtige Positionen auf heute über 500 Werke und initiierte Ausstellungen in Schleswig und andernorts. In dieser Zeit wuchs eine enge, von gegenseitigem Vertrauen getragene Verbindung zwischen der Stiftung Rolf und Bettina Horn und der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, namentlich dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf. Die Stiftung Rolf und Bettina Horn bleibt als selbständige Stiftung bestehen, wird aber langfristig in die Obhut und Verfügungsmacht der Stiftung Landesmuseen gegeben. Im Ergebnis ist die Überleitung der Stiftung Rolf und Bettina Horn auf die Stiftung Landesmuseen ein Geschenk an das Land Schleswig-Holstein, so wie es sich der Textilunternehmer Rolf Horn gewünscht hatte.
Dr. Thorsten Sadowsky, Stiftungsvorstand und leitender Direktor der Landesmuseen, wertet diese Entwicklung als einen enorm wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Landesmuseen: „Wir sind überaus dankbar für diese großzügige Geste der Sammlerin Bettina Horn, die ein Zeichen der engen Verbundenheit mit Schloss Gottorf und insbesondere mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte ist. Der dauerhafte Verbleib der renommierten Sammlung Horn in Schleswig bedeutet eine substantielle Stärkung der Landesmuseen im Bereich der klassischen Moderne und sichert der Gottorfer Museumsinsel den Status als bedeutendem Zentrum des deutschen Expressionismus.“
Ministerpräsident Daniel Günther bedankte sich bei der Mäzenin und Sammlerin Bettina Horn: „Dass Sie uns alle für immer an diesem Lebenswerk teilhaben lassen, macht mich sehr dankbar und stolz. Sie vermachen uns mit dieser großartigen Sammlung einen einzigartigen Schatz. Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Ihre Entscheidung bereichert die Museums- und Kulturlandschaft in Schleswig-Holstein enorm und wird zukünftig noch mehr Besucherinnen und Besucher zu uns ziehen.“